In Pfaffenhofen an der Ilm fühlte sich ein Kunde um zehn Gramm Brot betrogen – und schaltete daraufhin die Behörden ein. Für den Bäckermeister hatte die kleine Ungenauigkeit teure Folgen.
Habe erst überlegt ob ich die Überschrift gemäß der neuen Regelung anpassen sollte, habe mich dann aber dagegen entschieden, da die Antwort zu komplex für den Titel ist und dieser der Geschichte eigentlich gerecht wird, obwohl er etwas nach Clickbait klingt.
Schönes Beispiel von “kleiner Unternehmer möchte den Sinn einer Regulierung absichtlich nicht verstehen”. Ja, das klingt jetzt erstmal etwas blöd und kleinkariert, aber: Zum einen gilt die angesprochene Fertigverpackungsverordnung schon seit 1981 und wenn man dann im Jahr 2026 erwischt wird, dass man seit 45 Jahren ein Gesetz ignoriert, dann sollte man nicht rumstänkern. Und es macht auch absolut Sinn, dass feinsäuberlich bis ins Detail bestimmt und reguliert wird, wie Unternehmen Dinge in ihre Verpackungen füllen dürfen, weil wir alle genau wissen, dass Kelloggs sonst absichtlich zu wenig Smacks in die Packung füllen würde.
Dieser kleine Bäcker von nebenan beschäftigte 2021 66 Mitarbeiter. Das ist eine Kette in mehreren Städten. Bei solcher Größe kann man schon erwarten, dass verkaufte Ware abgewogen wird. Die Waagen sind sicherlich auch an das Abrechnungssystem angeschlossen und keine normalen Küchenwaagen.
Alle sind dumm, sowohl der Bäcker der die Brote nicht abwiegt und dann “Waagen” für 15000€ kauft, als auch der Typ der wegen 10g zur Behörde rennt. So Gesetze und Regulierungen sind dafür da, weil Konzerne uns sonst Sägespähne ins Mehl mischen würden oder ähnliches um Kosten zu sparen, nicht um den Bäcker nebenan mit Vorschriften zu nerven.
Mir ist das ganze auch etwas schleierhaft, da doch halbe Brote beim Bäcker meiner Erfahrung nach immer abgewogen werden.
Ich hab das hingegen noch nie erlebt. Beim Bäcker meines Vertrauens steht auch nirgends, wie schwer so ein Brot sein soll, von daher könnte ich mich auch nicht über eine zu leichte Hälfte beschweren.
Da würde ich mal genauer hinschauen. Die Brote liegen doch normalerweise hinten in der Auslage, mit kleinen Schildchen wie “Kuhdorfer Bauernbrot 4,90 / 750g”. Alles andere wäre schon eine riesige Ausnahme nur für Bäckereien.
Der Preis wird nach dem tatsächlichen Gewicht berechnet.
Klingt doch völlig vernünftig und macht jede Wurst- und Käsetheke auch nicht anders. Sehe das Problem nicht.
10g von 250g oder 500g ist eine ziemlich kleine Abweichung, finde ich. Zumal der nächste Kunde dann ja 10g mehr bekommt. Deswegen für 15000€ Waagen beschaffen zu müssen, ist ein bisschen albern.
Es ist eine kleine Abweichung, ja. Aber warum macht der Bäcker das Brot nicht etwas schwerer, um Spielraum zu haben? Also, dass beispielsweise der 1kg-Laib 1,05kg wiegt.
Ganz einfach: weil der dann mehr für Zutaten ausgeben muss. Und deswegen wird lieber am Limit kalkuliert, keine seit 6 Jahren vorgeschriebene geeichte Waage angeschafft usw.
Weiß nicht, so als Laie denke ich mir, dass jeder Bäcker eine geeichte Waage braucht. Ebenso wie ein Gemüsehändler. Bei allen Bäckern die ich kenne werden halbe Brote auch abgewogen.
Ok, pedantischer Spinner. Aber 15.000€ für Waagen?
Der Kerl hat halt 6 Filialen, d.h. die geeichte Profiwaage kostet pro Stück dann 2500€.
Was immer noch zu teuer ist fuer eine Baeckerei. Ich arbeite im Labor mit geeichten Waagen von Kern. Eine simple Lebensmittelwaage von Kern (1g bei 6000g Maximalgewicht) kostet geeicht ca. 350€.
https://www.kern-sohn.com/shop/de/produkte/industriewaagen/food/ffn-6k1ipn/
Aber man kann natuerlich beliebig viel Geld fuer alles moegliche ausgeben.
Weil, wenn der Bäcker gesagt hätte “ich musste jetzt 2.500€ für Waagen ausgeben 😭” niemand einen Artikel geschrieben hätte.
Vielleicht hat der auch ein paar Filialen mehr und ist eigentlich eine Kette und nicht einfach nur der kleine Bäcker von nebenan.
Andere Bäcker in Pfaffenhofen verkaufen nach Breitners Angaben nur noch ganze Brote, um Ärger mit dem Eichamt zu vermeiden.
Klingt absurd, aber ist vermutlich vernünftig. In der selben Stadt könnten sie ja den selben Kunden haben.
Solche Leute sind der Grund warum wir keine schönen Dinge haben dürfen …






