• 0 Posts
  • 2 Comments
Joined 2 years ago
cake
Cake day: July 28th, 2024

help-circle
  • Eine Entscheidung wird oft formuliert als “soll ich x oder y machen”, besteht aber eigentlich aus zwei anderen Dingen:

    • Die Realisierung des einen Potenzials (ich kann x werden)
    • Der Verlust des anderen Potenzials (ich kann y nicht mehr werden)

    Und in der Situation vor der Entscheidung hat man noch das Potenzial, beides zu werden. Solange man in der Position bleibt, muss man keins davon aufgeben.

    Und, auch wenn ich gerne den magischen Mittelweg finden würde, der mir erlaubt, beides umzusetzen, oder eine Methode zu finden, die zeigt, dass die eine Entscheidung klar besser ist als die andere (‘Kein Potenzial durch die Entscheidung aufgegeben wird’), gibt es sowas leider nie.

    Das späte ‘aus dem Bauch heraus entscheiden’ passiert dann oft, wenn die Türen beginnen sich zu schließen und das Potenzial, irgendeines von beiden machen zu können, verschwindet.

    Deswegen dreht es sich bei mir eher darum, emotional mit der Verlustseite klarzukommen, also entweder z.B. die Jobmöglichkeiten zu betrauern, oder einen Plan B auszuarbeiten, falls man durch die Führerscheinprüfung fallen sollte.

    Carl Jung hat den Begriff des Puer Aeternus geprägt, für Leute, die mit Potenzial besessen sind und sich nicht trauen, etwas davon zu realisieren, um den Verlust des anderen zu verhindern. Dafür sind sie oft sehr charismatisch, weil das Sehen von Potenzial, das sie so sehr behindert, sie auch Hoffnung für andere Personen spenden lässt und sie gelernt haben, via Charisma sich aus jeder Situation zu winden, um das Potential zu behalten.

    Es hilft also leider nur aktiv Potenzial zu vernichten, um etwas Potenzial zu realisieren. Aktiv eine Tür zu schließen und proaktiv etwas werden, statt im Wartezimmer zu sitzen und zu träumen, wie es ist, wenn man beides gleichzeitig wird.

    Falls sich noch jemand mit Puer Aeternus identifiziert, mir hat damals das Video von Dr K. sehr geholfen: https://youtu.be/e0ec2-E5Xq8